Solberg, Kathrin – Spiegelfluch & Eulenzauber [Rezension]

Rezensionsexemplar

Buchdetails

Ersterscheinung: 31.05.2020 | Verlag: Drachenmond | Genre: Fantasy | Seiten: 360 (Printausgabe) | Format: eBook | Preis: 5,99 € |

Inhalt

„Mein ganzes Leben schien sich wie ein Muster aus Sand zu zerstreuen und neu anzuordnen. Ich wünschte, ich hätte Zeit, um das alles zu verarbeiten. Aber Zeit war genau das, was uns fehlte.“ – Anthea

„Aber was nützt mir ein Versprechen auf ein Himmelreich, das es vielleicht überhaupt nicht gibt, wenn mein Leben hier zur Hölle wird? Ach was, schon längst zur Hölle geworden ist“ –Lisbeth

Kathrin Solberg

„Was treibt eine Frau dazu, den hohen Preis der Magie des Zauberspiegels zu bezahlen?“ – eine Frage, welche sich Anthea in den vergangenen Jahren, die sie mit dem verzauberten Wolf Matej verbracht hat, schon häufig gestellt hat. Doch als sie ihre jahrelange Suche nach einer Möglichkeit, ihre Freundin Myrsina aus den Klauen des Spiegeldämons zu befreien, schließlich zu einer vielversprechenden Eulenzauberin führt, muss sie sich erstmals auch selbst fragen, wie viel sie bereit ist, für ihr Ziel zu geben. Was Anthea nicht ahnen kann ist, dass der Weg, für den sie sich entscheidet, eng mit dem einer weiteren Frau verwoben ist. Die junge Gräfin Lisbeth kämpft zeitgleich damit, sich in ihre neue Rolle als Burgherrin einzufinden und ihren Wunsch nach Freiheit zu unterdrücken, als sie zunehmend ein Flüstern aus ihrem Spiegel wahrnimmt…  

Meine Meinung

Der Einstieg in das Buch ist mir leichtgefallen, was zum einen daran liegt, dass ich Kathrin Solbergs Schreibstil sehr fesselnd und bildhaft finde. Zum anderen hat mich der Prolog mit seiner düsteren Atmosphäre sofort angesprochen und meine Neugier geweckt. Mir gefällt, dass sich mit den Perspektivwechseln zwischen Anthea und Lisbeth auch die Erzählperspektive ändert. Obwohl Antheas Kapitel durch die Form der Ich-Erzählung einen guten Eindruck von ihren Gedanken und Gefühlen geben, konnte ich mich trotz der distanzierteren personalen Erzählung zunächst besser in Lisbeth hineinversetzen. Im Laufe der Geschichte hat sich das wieder umgekehrt.

An Lisbeth war mir sofort sympathisch, dass sie die Rolle der edlen Hofdame lediglich spielt und sich eigentlich ein unkonventionelles Leben wünscht. Es gibt viele Situationen, in denen sie Stärke und Selbstvertrauen beweist, indem sie mit Schicksalsschlägen oder ihrer machtlosen Situation als Frau tapfer umgeht. Ihre Position als Burgherrin, von der sie sich endlich ein wenig Freiheit verspricht, versucht sie sich von ihrer Schwägerin mit aller Kraft zu erkämpfen, auch wenn sie dabei immer wieder an ihre Grenzen stößt. Dass Lisbeth anfällig für die Macht des Spiegels wird ist angesichts ihrer Situation nicht überraschend, aber ihre Entwicklung wird dem Leser absolut nachvollziehbar. Es hat mir sehr geholfen, dass ihre Kapitel aus der dritten Person geschrieben sind, damit ich verstehen konnte, was die Stimme des Spiegels ihr vorspielt und was wirklich passiert.

Bei Anthea hat mir zu Beginn der Zugang gefehlt, weil ich ihre extreme Selbstaufopferung nicht ganz nachvollziehen konnte. Da sie aber sehr selbst reflektiert ist, konnte ich sie nach und nach immer besser verstehen. Im Laufe der Handlung überwindet sie ihre Schuldgefühle und Selbstzweifel, erkennt, für welches Ziel sie kämpft, und wächst dafür über sich hinaus.

Besonders interessant sind darüber hinaus die Beziehungen von Lisbeth und Anthea gestaltet worden. Antheas Freundschaft zu Matej ist schwierig, aber auch wundervoll tief. Großen Einfluss auf die Entwicklung der Frauen nimmt aber vor allem ihre Liebesbeziehung. Diese entwickeln sich gänzlich komplementär (die eine lässt Nähe zu, die andere wird immer distanzierter) und auch das Verhalten ihrer Partner unterscheiden sich stark voneinander. Die Eulenmagierin Lelia hat mich mit ihrer zunächst ruppigen Art sofort neugierig gemacht. Jakob blieb bis zum Ende etwas ungreifbar für mich.

Neben den spannenden und nachvollziehbaren Charakterentwicklungen hat mich das Buch mit seiner überraschenden Handlung voller Wendungen und Schockmomente überzeugt. Die schaurigen Atmosphäre, die die Beschreibung der Welt hinter dem Spiegel, des Dämons und seiner Macht hervorruft, hat bei mir oftmals für Gänsehaut gesorgt. Schließlich hält das bittersüße Ende auch noch eine gehörige Portion Magie und Action parat. Den jeweiligen Ausgang der Geschichte für die einzelnen Charaktere finde ich absolut zufriedenstellend. Wer düstere und gut durchdachte Märchen liebt, kommt hier meiner Meinung nach also voll auf seine Kosten!

5/5

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