Hiemer, Kristina – The Second Princess. Vulkanherz [Rezension]

Rezensionsexemplar

Buchdetails

Ersterscheinung: 18.03.2021 | Verlag: Carlsen | Genre: Romantasy | Seiten: 416 | Einband: Paperback | Preis: 15,00€ |

Inhalt

„Gefühle sind unberechenbare kleine Biester“

Christina Hiemer

Die Herrschaft über St. Lucien ist seit Jahrhunderten zweigeteilt, auch wenn die Bevölkerung nur mitbekommt, wie der ältesten Tochter die Krone überreicht wird. Denn das idyllische Leben auf der karibischen Insel wird von düstereren Geheimnissen bedroht, die nur die zweitältesten Töchter der Bell-Dynastie zu hüten wissen. Doch als eine neue Königin gewählt werden soll, ist es ausgerechnet die dritte Tochter, die vollkommen unvorbereitet dem dunklen Erbe ihrer Schwester gerecht werden muss.

Meine Meinung

Der Einstieg in die Geschichte ist mir durch Christina Hiemers zugänglichen und packenden Schreibstil leichtgefallen. Nach einer kurzen Einführung in das Setting befindet man sich schon mitten im Geschehen und erlebt den Palastalltag aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Saphina. Schnell wird bewusst, dass die Königinnenfamilie nur nach außen hin perfekt wirkt, auch wenn die Königin und ihre älteste Tochter Livia alles geben, um den Schein zu wahren. Ein Verhalten, das sie selbst nach Maylins mysteriösen Tod nicht ablegen können, und sie dazu treibt, Saphina ausgerechnet von Maylins Ex-Freund auf ihre neue Aufgabe vorbereiten zu lassen. Saphinas Misstrauen und ihre Trauer sind daher vollkommen verständlich und erklären ihr impulsives Verhalten in gewisser Weise. Leider konnte ich mich dennoch nicht mit ihr anfreunden, weil sie sich in Unverschämtheit, Naivität und Egoismus immer wieder selbst übertrifft. Dass sie gegen Ende als Mensch mit „reinem Herzen“ verkauft wird, konnte ich angesichts ihrer Entscheidungen gar nicht verstehen.

Obwohl die Geheimnisse zunächst Interesse wecken, habe ich leider schnell gemerkt, dass mir die Handlung zu konstruiert und unlogisch vorkommt. Saphinas ganzes Training für ihre Krönung zur schwarzen Königin wäre vollkommen unnötig gewesen, wenn sie nicht selbst dafür gesorgt hätte, dass die Dämonen zur Bedrohung für die gesamte Insel werden können– lässt man mal außen vor, dass ein wenig Kampfkunst gegen Dämonen sowieso wenig bringen sollte.

Die Kombination von prunkvollen Anwesen, tiefen Urwäldern und dämonischen Vulkanlandschaften hat mir auf den ersten Blick super gefallen, wurde leider aber nicht bildhaft genug beschrieben, dass man die unterschiedlichen Atmosphären zu spüren bekommt.  Ebenso wenig kommen leider die Gefühle für Dante rüber. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich Beziehungen auf einem Abenteuer langsam entwickeln, aber der Übergang von Misstrauen zu Liebe wird hier gar nicht rübergebracht. Die anderen Charaktere bleiben leider viel zu blass, um Neugier zu wecken.

Der für mich ausschlaggebendste Kritikpunkt ist aber die Romantisierung der englischen Kolonialgeschichte, die hier betrieben wird. Die Regentschaft der Nachkommen einer englischen Eroberin über eine karibische Insel wird einfach mit einer gehörigen Portion Fantasy versüßt. Schattenseiten der Kolonialvergangenheit werden zwar auf der ersten Seite angesprochen, aber die Herrschaft im Folgenden nicht mehr in Frage gestellt. Wenn Königin Aramea den Einheimischen ihre Religion gelassen hat, gibt’s doch auch gar nichts zu kritisieren, oder? Noch problematischer ist mir allerdings der Umgang mit der einheimischen Bevölkerung aufgefallen. Es hat mich geschockt, dass der Stamm und ihre Kultur nur aufgegriffen werden, weil sie die passenden Informationen über das Übernatürliche liefern und gleichzeitig auch noch ein leichtes Opfer für das Wohl der Allgemeinheit darstellen. Ich kann nicht verstehen, wie man so etwas heutzutage noch schreiben kann.

Für mich war The Second Princess auf den ersten Blick ein unterhaltsamer Fantasyroman für Zwischendurch, der mal etwas anderes verspricht. Leider hat mich bei der Umsetzung zu viel gestört, um ihn empfehlen zu können.

2/5

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