Bernard, C. E. – Das Lied der Nacht [Rezension]

Rezensionsexemplar

Buchdetails

Ersterscheinung: 15.03.2021 | Verlag: Penhaligon | Genre: Fantasy | Seiten: 416 | Einband: Paperback | Preis: 15,00 € | Folgebände: Das Flüstern des Zwielichts, Der Klang des Feuers |

Inhalt

„Erinnert euch, wohin euer Herz euch führen wollte, bevor Furcht auf allen Wegen wandelte.“

C. E. Bernard

Im kalten Königreich Schur sind selbst das kleinste Feuer und Flüstern, das die Finsterkeit und Stille der Nacht durchbricht, verboten. Als die Bevölkerung von Schatten ihrer Vergangenheit angegriffen wird, liegt die einzige Hoffnung auf Rettung in den Händen einer Gruppe Fremder. Doch, wo die Furcht regiert, ist es gefährlich, mit einem Lied die Albträume vertreiben zu wollen.

Meine Meinung

Ich habe eigentlich bereits auf den ersten Seiten gemerkt, dass mir „Das Lied der Nacht“ mit seinem etwas speziellen Schreibstil unglaublich gut gefallen wird und dieser erste Eindruck wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte des Wanderers Weyd und der Bardin Caer wird von einem unbekannten Erzähler berichtet, der sehr atmosphärisch in die Schrecken der Nächte Schurs einführt. Der Erzählstil ist einzigartig und anspruchsvoll, da häufig sogar innerhalb eines Satzes die Perspektive wechselt, um die Gleichzeitigkeit verschiedener Ereignisse darzustellen. Mit sprachlichen Wiederholungen und Wendungen zwischen schnellen, lauten und langsamen, stillen Handlungssträngen erinnert der Schreibstil selbst stark an ein Lied. Selbst in den ruhigsten Phasen lauert stets die große Bedrohung im Hintergrund, sodass mich die Handlung vollkommen mitreißen konnte.

C. E. Bernard schreckt nicht davor zurück auch den schrecklichsten Abgründen, wie einem Massenmord, Pogrom, Vergewaltigungen und Verstümmelungen, Raum zu geben. Man sollte sich daher vor dem Lesen Gedanken machen, ob man sich mit so derartigen Beschreibungen bewusst konfrontieren will. Ich finde aber, dass es ihr gerade dadurch gelungen ist, die Folgen von Fremdenhass und Machtmissbrauch vor Augen zu führen. Diese Themen sind angesichts zunehmenden Populismus und Intoleranz auch von aktueller Brisanz.

Neben den Grausamkeiten bietet das Buch auch viele schöne Momente, die immer wieder Licht ins Dunkel werfen. So hat mir unglaublich gut gefallen, dass der Weg aus der Bedrohung in der Magie und Vielfalt der Sprache liegt. Obwohl man zu den Charakteren stets eine gewisse Distanz behält, weil über sie teilweise mit ihrer sozialen Rolle gesprochen wird, habe ich Weyd und seine Freunde (vor allem den Fuchs Bellitas) schnell ins Herz geschlossen. Sie sind wundervoll herzliche Personen, die jeder für sich auch mit ihren eigenen charakterlichen Schwächen und Selbstzweifeln zu kämpfen haben. Der große Zusammenhalt der so ungleichen Gruppe hat mich wirklich beeindruckt. 

Zusammenfassend denke ich, dass „Das Lied der Nacht“ definitiv nichts für jeden ist, aber für einige eine ganz besondere Erfahrung sein kann. Große Empfehlung!

5/5

Ein Gedanke zu “Bernard, C. E. – Das Lied der Nacht [Rezension]

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