Lovecraft, Howard Phillips – Cthulhus Ruf [Rezension]

Rezensionsexemplar

Buchdetails

Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2020 | Verlag: Heyne | Genre: Horror/ Science Fiction| Seiten: 64 | Einband: Hardcover | Preis: 25,00 € | Reihe: Arkham Erzählungen (2) | Illustrator: François Baranger|

Inhalt

„Die größte Gnade auf dieser Welt ist, so scheint es mir, das Nichtvermögen des menschlichen Geistes, all ihre inneren Geschehnisse miteinander in Verbindung zu bringen.
Wir leben auf einem friedlichen Eiland des Unwissens inmitten schwarzer Meere der Unendlichkeit, und es ist uns nicht bestimmt, diese zu bereisen. Die Wissenschaften – deren jede in eine bestimmte Richtung zielt – haben uns bis jetzt wenig gekümmert; aber eines Tages wird das Zusammenfügen der einzelnen Erkenntnisse so erschreckende Aspekte der Wirklichkeit eröffnen, dass wir durch diese Enthüllung entweder dem Wahnsinn verfallen oder aus dem tödlichen Licht in den Frieden und die Sicherheit eines neuen, dunklen Zeitalters fliehen werden.“ 

H. P. Lovecraft

Als Francis Thurston nach dem mysteriösen Tod seines Onkels in dessen Nachlass auf Hinweise über einen fanatischen Kult um ein Wesen stößt, das nicht von dieser Welt stammen soll, glaubt er, einem großen Geheimnis auf die Spur gekommen zu sein, das ihm noch zu Ruhm verhelfen wird. Doch je tiefer er sich in seine Nachforschungen stürzt, desto mehr offenbart sich ein lauerndes Grauen, das nicht nur seinen Verstand zu brechen droht. Cthulhus Kult lebt und bereitet seine Wiederkehr vor.

Meine Meinung

Die Kurzgeschichte Cthulhus Ruf gehört zu H. P. Lovecrafts bekanntesten. Als Leser verfolgt man den Bericht eines Ich-Erzählers, der sich nach den Zusammenhang mysteriöser Morde, wahnsinniger Künstler und der kultischen Verehrung einer Monströsität erklären möchte. Doch schon bald zeigt sich, dass die Ursachen für den Tod seines Onkels jenseits rationaler, menschlicher Vorstellung liegen. Wie Thurson wird man so zum Mitwisser eines Grauens, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Die Geschichte übt einen regelrechten Sog aus, dem man wie einem Ruf folgen muss. Lovecraft schafft es wie kein anderer, den Übergang zwischen nüchternem Bericht und dem langsamen Durchdringen des Schreckens herzustellen. Mich fasziniert vor allem die Entdeckung der toten Stadt R’lyeh, welche spannend, schockierend und dramatisch zugleich ist.

„Wenn ich an die Ausmaße all dessen denke, was da unten im Verborgenen schlummern mag, wünschte ich fast, mich auf der Stelle umzubringen.“

Francis Thurston

Anzumerken bleibt, dass sich auch in dieser Kurzgeschichte Anzeichen für Lovecrafts Rassismus finden, aber man muss sich vor Augen halten, dass der Autor ein Kind seiner Zeit ist und das Werk aus dem Jahr 1926 stammt. Auch wenn Kritik an seinem Weltbild berechtigt ist, kann ich sie von seiner Arbeit trennen, in der sich seine extremen und abzulehnenden Vorstellungen nicht durchsetzen.

Da ich die Geschichte schon häufig gelesen habe, haben mich an dieser Ausgabe vor allem die Illustrationen von François Baranger begeistert. Wie Lovecraft es schafft, die Grenzen des Vorstellbaren mit Worten auszuloten, gelingt es Baranger, dem Schrecken ein Gesicht zu geben. Fernab von Klischees fangen seine düsteren, ästhetischen Abbildungen die Emotionen ein, die die Kurzgeschichte beim Leser weckt. Der zunehmende Wahnsinn in den Augen der Menschen und die monströsen Dimensionen und Formen der Stadt R’lyeh und der Gottheit Cthulhu wirken erschreckend und wunderschön zugleich.

Eine große Empfehlung für Lovecraft Fans und alle, die es noch werden möchten!

5/5

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