Rina, Lin – Animant Crumbs Staubchronik [Rezension]

Buchdetails

Ersterscheinung: 20.11.2017 | Verlag: Drachenmond | Genre: Historischer Liebesroman | Seiten: 552 | Einband: Taschenbuch | Preis: 16,90€ |

Inhalt

„Das sagt sie nur, weil sie keine Ahnung von der Liebe hat“, behauptete Tante Lillian plötzlich und ihre Worte verletzten mich, obwohl ich eigentlich wusste, dass sie es nicht böse meinte. „Ich habe von der Liebe gelesen“, gab ich von mir und riss mich zusammen, um nicht zu streng zu sprechen. „Liebes“ sagte Tante Lillian zu mir und legte mir gutmütig eine Hand auf den Arm. „Manchmal reicht es nicht, nur darüber zu lesen.“

Lin Rina

Die 19-jährige Animant Crumb liebt das Lesen, weil sie ihrem Alltag so vorübergehend entfliehen kann. Denn sie ist fest davon überzeugt, dass die Welt der Bücher ihr viel mehr zu bieten hat als ihr Leben auf dem Land in der Gesellschaft stumpfsinniger und uninteressanter Menschen. Dem Wunsch ihrer Mutter, sie schnellstmöglich mit einem der ledigen Männer aus der Umgebung zu verheiraten, die mit ihrem Scharfsinn nicht umgehen können, kann sie daher überhaupt nichts abgewinnen. Als sie schließlich das Angebot von ihrem Onkel bekommt, ihn nach London zu begleiten und als Bibliothekarsassistentin in der Royal University of London zu arbeiten, nutzt sie die Chance, den Eheplänen ihrer Mutter zu entkommen. Möchte sie zunächst nur ihrer Familie und dem verschrobenen Bibliothekar beweisen, dass sie sich einen Monat durchbeißen kann, merkt sie schnell, dass ihr die tägliche Arbeit und die mit ihr verbundene Selbstständigkeit gefällt.

Meine Meinung

Lin Rina hat es mit „Animant Crumbs Staubchronik“ geschafft, mich absolut zu begeistern. Ihr flüssiger und humorvoller Schreibstil hat mich gefangen genommen und in das Jahr 1890 versetzt. Die Geschichte wird rückblickend aus Anis Perspektive erzählt, wodurch man ihre Gedanken nachvollziehen und sich in sie hineinversetzen kann. In London wird sie erstmals mit Menschen konfrontiert, die ihre Wissbegier und Gedanken zu schätzen wissen. Nur mit dem jungen Bibliothekar Mr. Reed eckt sie ständig an, weil er sich einfach nicht zufriedenstellen lässt und sie unmöglich behandelt. Doch es ist nicht Anis Art gleich aufzugeben. Sie scheut weder davor zurück, Mr. Reed ihre Meinung offen zu sagen, noch mit scharfzüngigem Sarkasmus zurückzuschlagen. Mit Vorurteilen ihrer Zeit gegenüber Juden und Bildungsaufsteigern aus der Arbeiterklasse und den konventionellen Geschlechterrollen geht sie reflektiert und kritisch um. Allerdings verurteilt sie selbst Menschen, die sie für unintelligent hält und sich nur für Bälle und schöne Kleider zu interessieren scheinen. Allmählich lernt sie aber, dass sich eben nicht alles aus Büchern lernen lässt, und erkennt in Mr. Reed ein Spiegelbild für ihr eigenes unnahbares Verhalten.

Die Handlung wird langsam erzählt und ein großer Teil spielt sich in der Bibliothek ab. So wird auch Anis Arbeitsalltag detailliert geschildert, was man mögen muss, damit es einen nicht langweilt. Spannung kommt vor allem durch die überzeugende Charakterentwicklung, Anis Neugier und interessante Bekanntschaften auf. Die Beziehung zwischen ihr und Mr. Reed entwickelt durch die Wortgefechte eine ganz besondere Dynamik und es kommt zu vielen romantischen und zugleich witzigen Momenten, in denen er ihr auch liebenswürdige Seiten von sich zeigt. Überzeugen konnten mich auch die Nebencharaktere, die alle sehr gut ausgearbeitet wurden. Insbesondere Anis Freundin Elisa, die in London studiert und sogar noch unkonventioneller ist als sie selbst, ist mir ans Herz gewachsen.

Kritisieren kann ich eigentlich nur das Ende, weil es mir leider viel zu schnell ging und ein Liebesbekenntnis mit applaudierenden Schaulustigen meiner Meinung nach auch nicht richtig zur eigenwilligen Ani und ihrem ungeselligen Thomas gepasst hat. Insgesamt ist es aber ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln konnte und vor allem durch den humorvollen Schreibstil und die interessanten Charaktere überzeugt.

5/5

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